von Trinidad nach Martinique

12. März 2025:

In der Früh legen wir ab. Die Heckleinen sind noch in situ und aufgrund der Windstille ist es für mich einfach, die beiden Taue backbord- und steuerbordseitig vorne von den Pollern herunterzubekommen, dann löst Erwin die Heckleinen und wir fahren aus dem engen Liegeplatz hinaus.  

 

Noch in der riesigen Chaguaramas Bay setzen wir Groß und Vorsegel. Der Wind mit 15+ Knoten kommt aus Ost, die Welle von der Seite. Die Sonne scheint, es ist sehr warm und nach drei Monaten sind wir endlich wieder auf See, ein gutes Gefühl. 

 

In der Nacht dreht der Wind etwas auf Nord (ENE), die Strömung nach Westen macht sich bemerkbar, wir müssen einen Motor dazunehmen, um der seitlichen Abdrift entgegenzuwirken. Die Windwinkel sind zwischen 45 und 55 Grad, die Geschwindigkeit entsprechend bescheiden. Bis auf wenige Cargo-Schiffe tut sich in der vom Vollmond erhellten Nacht wenig.

 

Erst am zweiten Tag zu Mittag dreht der Wind auf Ost-Süd-Ost, nach wie vor benötigen wir wegen der Abdrift eine Motorunterstützung.  

 

An der Backbordseite segeln wir an Grenada, Carriacou, Union Island, den Tobago Cays und St. Lucia vorbei. Inseln, die wir 2017 besucht hatten und mit denen wir viele  positive Erinnerungen verbinden. 

 

Ab der Nacht vom 13. auf den 14. März können wir mit einem Windwinkel um 90° segeln und machen gute Geschwindigkeit bis maximal 7,3 Knoten, die See ist ruhig mit wenig Welle. 

 

Martinique

14. März -   April 2025

 

14. März:

Um 8:45 Uhr bergen wir die Segel, fahren in die Bucht Cul-de-Sac de Marin hinein und ankern nach 244 Seemeilen und zwei Tagen und Nächten in der Nähe des Ortes Sainte-Anne im Süden der Insel. Es liegen sehr viele Segelyachten vor Anker, Platz ist kein Problem, die Bucht ist riesig. Ein breiter Bereich entlang des Ufers ist Ankerverbotszone, die Strände und das Wasser davor werden dadurch von den Booten nicht gestört, schauen sehr einladend aus, sind auch nicht überlaufen. Der Ankerplatz ist perfekt, das Wasser hat ein wunderschönes Azurblau und ist sehr sauber, es findet ein regelmäßiger Austausch mit dem Atlantik außerhalb der Bucht statt. Beim Ort Sainte-Anne erspähen wir einen langen Dinghy-Steg, das ist sehr angenehm. 

 

Martinique gehört zu den Kleinen Antillen, einer Vulkankette, die das Karibische Meer vom Atlantik abgrenzt. Die Inseln reihen sich in einem großen Bogen aneinander. Martinique liegt zwischen St. Lucia im Süden und Dominica im Norden. Martinique ist die zweitgrößte Insel der Kleinen Antillen, sie ist französisches Überseegebiet und Teil der Europäischen Union, man zahlt mit Euro, die Amtssprache ist Französisch, die Einheimischen sprechen bevorzugt Créole. Martinique hat etwa 350.000 Einwohner, 76.000 davon leben in der Hauptstadt Fort-de-France. 80% der Bevölkerung ist afrikanischer Abstammung, 5%  europäischer Herkunft. 85% der Bevölkerung sind römisch-katholisch, 10,5% protestantisch.

 

Es gibt mehrere Vulkane auf der Insel, der letzte Ausbruch des 1397 m hohen aktiven Montagne Pelée im Nordwesten der Insel liegt schon lange zurück, er geschah am 8. Mai 1902. Die frühere, sehr wohlhabende Hauptstadt Saint-Pierre wurde durch einen pyroklastischen Strom komplett zerstört, 28.000 Menschen sind dabei umgekommen. Dem großen Ausbruch sind mehrere kleine Ausbrüche vorangegangen, aber man entschloß sich zu bleiben, eine Evakuierung der Bevölkerung wäre mit den damaligen Mitteln auch sehr schwierig gewesen. Im Norden der Insel findet man eher die schwarzen Vulkanstrände, im Süden dominieren Strände mit feinem, goldgelb-weißem Sand.  

 

15. März:

Wir fahren mit dem Bus von Sainte-Anne nach Le Marin und besorgen bei Digicel SIM-Karten für Telefon und Daten. Den restlichen Tag verbringen wir in Sainte-Anne.

Sainte-Anne

Sainte-Anne ist ein kleiner Urlaubsort mit viel französisch-dörflichem Flair. Beim Anblick der Köstlichkeiten in der Boulangerie und im Carrefour Express sind wir bereits in Hochstimmung. Es ist schön hier.

 

Einklariert wird in einem kleinen Lokal, das macht der Wirt als Nebenjob und bekommt für die Administration 5 Euro. Stempel in den Pass bekommen wir keinen, da wir praktisch in Europa sind.

19. März:

Wir haben uns in die Marina du Marin, die sich ziemlich am Ende der tiefen Bucht Cul-de-Sac de Marin befindet, verlegt. Wir benötigen ein Service des Wassermachers, das in Trinidad nicht möglich war. In der Marina liegen viele französische Katamarane, dementsprechend sind die Betriebe hier mit den Geräten der Boote vertraut. Generell haben wir einen sehr positiven Eindruck, was Reparaturmöglichkeiten, Ersatzteile und Auswahl an Bootsbedarf anlangt. Wir haben in Trinidad einen stärkeren Inverter gesucht, der eingeflogen hätte werden müssen, hier ist er lagernd (Victron Smart 12/3000 als Ersatz für den 12/2000).  

Die Marina, es ist die einzige im Süden der Insel, hat 750 Liegeplätze und ist voll. Wir haben einen Platz bis 25. März bekommen und hoffen, dass wir bis dahin das Wassermacher-Service bekommen. Kontakt zu einem Techniker haben wir bereits, aber noch keinen Termin. Alle sind ziemlich ausgelastet.

 

Endlich kann ich auch wieder den Miele Waschtrockner verwenden. In den Marinas in Südamerika war das nicht möglich, dort gibt es nur 60 Hz-Strom, was von den Geräten größtenteils problemlos toleriert wird, nicht aber von den meisten europäischen Waschmaschinen, die benötigen 50 Hz. 

 

22. März:

Wir wollen auf das Wassermacher-Service nicht mehr warten. Der Wassermacher produziert keinen Output und Erwin vermutet, dass die Membranen verbraucht sind, da es immer länger gedauert hat, bis das grüne Licht aufgeleuchtet hat, das die gute Qualität des produzierten Wassers anzeigt. Membranen sind in der Chandlery verfügbar. Der Wassermacher ist ein recht komplexes Gerät, aber mit YouTube Videos, Anleitung des Herstellers, viel Schweiß und Sorgfalt kann Erwin die alten Membranen aus- und die neuen einbauen. Dabei sind gut ein Dutzend Dichtungsringe zu erneuern, die vorher sorgfältig mit Vaseline eingefettet werden. Dann schaltet Erwin den Wassermacher ein: alles ist dicht und nach kurzer Zeit leuchtet das grüne Licht auf und Trinkwasser sprudelt aus dem Schlauch. Es war nicht ganz einfach. Wir sind happy, Problem gelöst, viel Zeit und einiges Geld gespart!    

Der Erfolg mit dem Wassermacher wirkt so motivierend, dass Erwin anschließend auch noch den neuen Inverter (Victron Smart 12/3000) einbaut. Wenn Erwin mit Strom arbeitet, bin ich immer etwas nervös. Der Raum unter unserem Bett, wo sich die gesamte Bootselektrik befindet, ist sehr eng und man muss beim Arbeiten recht aufpassen. Mit dem neuen Inverter haben wir um 50% mehr Leistung zur Verfügung und zusammen mit den Lithium Batterien können wir nun viel mit Strom in kurzer Zeit erledigen, wozu wir früher den Gasherd gebraucht haben. Die nervigen 'overload' Meldungen des alten Inverters sind nun vorbei.

 

25. März:

Um 17 Uhr fahren wir aus der Marina in die Bucht Cul-de-Sac du Marin hinaus. Wir ankern wieder in der Nähe des Ortes Sainte-Anne. Der Wind hat in den letzten zwei Tagen zugelegt, in den Böen um 25 Knoten. Wir liegen erfreulich ruhig vor Anker und genießen einen malerischen Sonnenuntergang. 

 

 

26. März:

Den Tag verbringen wir in Sainte-Anne. Hinter der historischen Kirche führt ein Kreuzweg über einen felsigen Pfad mit Steinstufen den Hügel hinauf, den wollen wir heute gehen. Er windet sich in Serpentinen, umgeben von üppiger Vegetation, von Station zu Station. 

Außer uns ist noch eine kleine Gruppe einheimischer Frauen zur Andacht unterwegs. Sie beten und singen bei jeder der 14 Stationen. Es sind besinnliche Stunden auf dem sehr idyllischen Kreuzweg. 

Anschließend besuchen wir den stimmungsvollen Friedhof von Sainte-Anne. Er liegt auf einem schmalen Streifen Land zwischen der Straße und der Steilküste. Aufgrund des sehr begrenzten und nicht erweiterbaren Platzes sind fast alle Gräber mit vielen Dahingeschiedenen von zum Teil sehr großen Familien  belegt. 

Les Salines

28. März:

Nachdem wir gut eine Stunde auf den Bus 23 gewartet haben, entschließen wir uns ein Taxi zu nehmen, um zu dem als den schönsten beschriebenen Strand von Martinique, manche meinen sogar von der gesamten Karibik, zu kommen. Er liegt am südlichen Zipfel von Martinique, nur wenige Kilometer von Sainte-Anne entfernt. Wir sind überrascht, wie viele Autos geparkt und wie gut besucht die Strandlokale und der Strand sind. Der Sand ist sehr fein, schattenspendende Bäume und Kokospalmen säumen den weitläufigen Strand.  

Wir genießen das Nichtstun, schwimmen im warmen Atlantik und essen zu Mittag unter einem dichten Blätterdach in einem der Strandrestaurants gegrillten Fisch, der ganz ausgezeichnet schmeckt. Urlaubsstimmung pur.